Vertrauen wird nicht geschenkt, es muss verdient werden

Es ist okay, sich Zeit zu lassen, vorsichtig zu sein. Es ist okay, sich nicht von Jetzt auf Gleich zu öffnen und alles preiszugeben. Es ist auch okay, wenn es länger dauert, als gewohnt, gedacht. Als erwartet. Das macht uns nicht zu schlechten Menschen.

Ich bin kein Mensch, der leicht Vertrauen zu anderen Personen aufbaut und das werde ich nie sein. Möchte ich auch nicht.
In meiner frühsten Kindheit war es anders, denn zu jener Zeit dachte ich, es gäbe ganz selten Menschen, die einem böses wollen und mit falschen Karten spielen. Kindliche Naivität eben, man weiß es in dem Alter immerhin noch nicht besser – leider, denn die Entrüstung war bei mir, als ich mit ca. 3 oder 4 Jahren erkannte, dass Menschen nicht unbedingt so friedlich und liebenswürdig sind, wie ich bis dato dachte, sehr intensiv. Ich kann mich sehr weit an Dinge zurückerinnern und dieser Moment fühlt sich an, als sei er erst vor Kurzem geschehen.
Ich bin froh, dass es so früh geschah. Der kindliche Gedanke entspricht nunmal nicht der Realität, daran kann man leider nichts ändern. Dem muss man sich früher oder später stellen – und meiner Meinung nach lieber früher.

Bindungen mit Menschen einzugehen, Vertrauen aufbauen, sich öffnen – Dinge, die auf der einen Seite sehr natürlich sind und etwas, wonach sich die Meisten sehen, jedoch sind sie auf der anderen Seite für viele unheimlich schwer.

Man kann Menschen nunmal nur vor den Kopf schauen. Das innere Gefühl, unsere Intuition, hilft uns zwar oftmals, allerdings ist sie kein Garant dafür, wie die Situation letztlich wirklich ausgehen wird.

Besonders schwierig finde ich das Thema „Partnerschaft und Vertrauen“. Zwar sollte man davon ausgehen, dass sich Menschen, wenn sie sich für eine Partnerschaft entschlossen haben, einander auch vertrauen können – aber auch das ist meiner Meinung nach Wunschdenken. Ein Ideal, auch mein persönliches Ideal, in einer absolut nicht idealen Gesellschaft. Am Ende des Tages kann man sich nie zu 100 % sicher sein – auch, wenn man sich zu 100 % sicher sein können sollte, denn im Normalfall sollte doch jemand an unserer Seite sein, für den wir unsere Hand, ohne mit der Wimper zu zucken, ins Feuer legen können.
Ich freue mich jedes Mal sehr und bewundere Paare, die jederzeit vollkommen loyal und ehrlich zueinander sind – und gleichzeitig finde ich es unfassbar traurig, dass diese eigentlich vollkommen selbstverständliche Sache, die Loyalität und Ehrlichkeit zueinander, scheinbar absolut nicht selbstverständlich ist, denn selbstverständliches sollte nichts sein, das bewundert werden sollte. Es sollte völlig normal sein und nichts, auf das man in Facebook-Beiträgen wieder und wieder hinweisen muss, damit sich die Einstellung vieler Menschen ändert. Ganz gewiss nicht.

Ekuase mit Sleeve-Tattoo

Besonders schwierig finde ich den Gedanken, den viele frisch gebackene Pärchen pflegen: Sofortiges Vertrauen, alles komplett offen legen – und ich spreche nicht von den Personen, die sich bereits ewig kennen und sich Jahre später ineinander verlieben, sondern von jenen, welche sich erst seit Kurzem kennen, beispielsweise einen Monat, und dann den Schritt in eine Beziehung wagen (daran ist nichts verwerflich).
Selbstverständlich gehört ein gewisses Maß an Grundvertrauen zu diesem Schritt, dieses sollte man haben, allerdings ist es doch äußerst riskant, einer im Grunde wildfremden Person Geheimnisse etc. anzuvertrauen, denn Vertrauen ist eine Sache, die man über einen längeren Zeitraum entwickelt. Je länger und besser wir einen Menschen kennen, desto besser können wir unseren Gegenüber einschätzen – denn wie oft haben wir Personen kennengelernt und nach einiger Zeit festgestellt, dass sie anders ist, als sie zunächst zu sein schien? Ein gesundes Maß an Skepsis sollte stets vorhanden sein und auch die Fähigkeit, Dinge realistisch einschätzen zu können.

Vertrauen muss man sich mit ehrlichen Worten, Handlungen, gehaltenen Versprechen und Loyalität verdienen.

Ich kann nicht, nur, weil „ich jetzt einen Partner habe“ einfach alle meine Siegel öffnen, nein. So funktioniere ich nicht. Ich muss sehen, dass es diese Person ernst meint, dass ich ihr wirklich wichtig bin. Ich muss Einsatz sehen, Bemühungen. Ich muss sehen, wissen und spüren, dass ich diesem Menschen am Herzen liege und es keine faulen Ausreden gibt. Ich öffne mich nicht jemandem, der es als wichtiger empfindet mit anderen an einer Spielekonsole zu sitzen, als mir in schweren Zeiten beizustehen.
Gehe ich eine Beziehung ein, möchte ich für meinen Partner, für uns, nur das Beste und genau das erwarte ich ebenso. Wir müssen auf derselben Seite im Buch sein – und dann kann ich wirklich vertrauen.

Habt ihr euch bereits mit dem Thema Vertrauen beschäftigt? Wie sind eure Erfahrungen mit diesem Thema innerhalb Beziehungen?

𝙵𝙾𝙻𝙻𝙾𝚆, 𝙻𝙸𝙺𝙴 𝙰𝙽𝙳 𝚂𝙷𝙰𝚁𝙴

2 comments

  1. Toll geschrieben und gute Gedanken!
    Ich sehe es so wie du, dass man trotz dem Eindruck einen super tollen Menschen kennen gelernt zu haben, immer Skepsis und Vorsicht bewahren sollte. In gewissen Dingen. Denn es kann sich – wie meine Erfahrung leider zeigt – immer herausstellen, dass das Gegenüber eigentlich gar nicht die Person ist, die man kennen gelernt hat.

    1. Ich danke dir!
      Leider hast du Recht, diese Erfahrung musste ich leider ebenso machen. Es schmerzt mich zu wissen, dass unheimlich viele Lügner durch die Welt streifen und ehrlichen, liebevollen Menschen Leid zufügen.

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